«Digitalisierung auf den Kopf stellen» eine Lösung für Schweizer KMU?

Disruption – Das eigene Geschäft mit einem neuen Businessmodell zerstören

Wir haben in unseren verschiedenen Blogs schon darauf hingewiesen. Immer wenn über digitale Transformation oder Digitalisierung gesprochen wird, kommen »disruptive Ansätze» zur Sprache. Da wird dann die Meinung vertreten dass Firmen nur überleben können wenn sie sich ihr eigenes Geschäft mutwillig mit neuen Ansätzen zerstören. Sich also folgende Gedanken machen:

  • Wenn ich mein eigener Konkurrent wäre, wie würde ich dann mein Business attakieren um den Kunden unglaublich attraktive Angebote zu machen?
  • Wie würde ich mein Geschäft aufbauen wenn ich auf der grünen Wiese beginnen würde und die aktuellsten Technologien einsetzen könnte?
  • Wenn ich keinerlei Rücksicht auf bestehendes nehmen müsste?

Sich diese Fragen zu stellen und sich ein Geschäftsmodell auszumalen ist das Eine und kann ja auch mal Spass machen. Es aber dann in die Tat umzusetzen und mein eigenes Geschäft zu konkurrenzieren, also den Ast abzusägen, auf dem ich sitze – das ist eine ganz andere Nummer. Die wenigsten Firmen machen diesen Schritt.

Vogel Strauss – Was aber ebenso falsch ist, ist folgendes Vorgehen:

Ich bin in einem traditionellen Geschäft tätig, Detailhandel, Fachgeschäft, Autogarage, Dienstleister, Gewerbebetrieb oder was auch immer. Ich komme so zurecht aber eigentlich wächst mein Business nicht. Oder vielleicht wird es sogar Jahr für Jahr weniger. Durch Optimierungen und Kosteneinsparungen habe ich es aber bis jetzt geschafft, nicht in die Verlustzone zu kommen. Die Konkurrenz wird immer aggressiver und die Preise geraten unter Druck.

Die Alarmglocken läuten aber ich möchte sie vielleicht noch nicht hören… es ist ja immer wieder gegangen….. Es kommen wieder bessere Zeiten… und andere Durchhalteparolen verbreiten Zweckoptimismus.

Weder Disruption noch Vogel Strauss werden für die meisten Schweizer Unternehmen zum Erfolg führen.

Die digitalen Möglichkeiten nutzen muss nicht damit gepaart sein das Businessmodell auf den Kopf zu stellen (Disruption). Für die meisten Unternehmen macht es Sinn, sich schrittweise mit den neuen Möglichkeiten der digitalen Welt zu befassen. Also nicht ganz oben beginnen und das ganze Geschäftsmodell hinterfragen. Sondern erste Projekte da angehen wo der grösste Handlungsbedarf ist und der grösste Effekt erzielt werden kann. Nach unseren Erfahrungen bieten alle Themen, die mit Kunden zu tun haben grosses Optimierungspotential.

  • Wie kommunizieren wir mit den Kunden
  • Sprechen wir die Themen an, die auch die Kunden interessieren
  • Sind unsere Kundenbetreuer effizient unterwegs
  • Sind wir da wo sich die Kunden bewegen
  • Wie gut kennen wir unsere Kunden
  • Schöpfen wir die heutigen Möglichkeiten aus um mit dem Kunden zu kommunizieren

Aber auch die interne Organisation bietet sehr viele Möglichkeiten den Betrieb zu optimieren indem punktuell aktuellste Techologien und Services eingeführt werden. Sei es in der Zusammenarbeit, im Zugriff auf Informationen, der Verbindung verschiedener Anwendungen oder dem Einbinden des Aussendienstes

Wenn hier im Tagesgeschäft der Hebel angesetzt wird dann hat das verschiedene Vorteile. Kleine erste Schritte können gut ins Tagesgeschäft integriert werden. Es können schnell erste Ergebnisse erzielt werden, die Mitarbeiter können der technologischen Entwicklung folgen und Letztendlich verändert dieses Vorgehen auch das Geschäftsmodell. Allerdings nicht in einem Schlag wie beim disruptiven Ansatz sondern Schritt für Schritt bei jeder weiteren Aktivität

 

Retargeting – Wie Sie Webseitenbesucher wiederfinden

Sicher ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Sie teilweise von Lieferanten „verfolgt werden“. Sie informieren sich auf einer Webseite oder in einem Onlineshop über ein Produkt. Und das nächste Mal wenn Sie im Facebook sind, wird Ihnen genau dieses Produkt angeboten.

Aus Marketingsicht eine geniale Möglichkeit. Denn Marketing hat mit Menschen zu tun, und um in die Wahrnehmung von Menschen zu gelangen reicht ein Kontakt nicht aus. Insbesondere in der heutigen Zeit der Informationsüberflutung wird sehr viel ausgeblendet. Dinge, die aktuell nicht zu oberst auf der Prioritätenliste stehen blende ich unbewusst einfach aus. Das heisst, sobald der Kunde meine Webseite verlässt schwindet die Chance massiv, dass er zurückkehren und mein Angebot kaufen wird. Auch dass er meine Webseite überhaupt wieder findet ist nicht sicher bei der Menge an Webseiten und Anbietern die zur Verfügung stehen. Mit diesen neuen Technologien habe ich nun die Möglichkeit die Besucher, die mal auf meiner Webseite waren auch ausserhalb wieder zu erreichen.

Der Fachbegriff dafür heisst Retargeting. 

Retargeting kann beispielsweise bei Facebook oder Google angewendet werden. Ich erstelle  eine Anzeige, die allen Personen angezeigt werden soll, die eine bestimmte Webseite besucht haben. In dieser Anzeige mache ich den Kunden ein spezielles Angebot um sie zurück auf meine Seite zu kriegen. Im Fall von Facebook wird diese Anzeige dann innerhalb von Facebook oder Instagram geschaltet. Bei Google im gesamten Displaynetzwerk von Google, also auf allen Seiten die Google Anzeigen beinhalten. Dieses Netzwerk ist inzwischen sehr gross sodass wir den Kunden bestimmt irgendwo wieder erreichen werden.

Aber Achtung

Die Schweizer Kunden mögen das nicht so sehr wenn sie dann auf Schritt und Tritt mit Anzeigen konfrontiert werden. Das ist bedingt vergleichbar mit Telefonmarketing Kampagnen. Der Schritt von professionell und sympathisch hin zu lästig und unseriös ist recht klein. Es ist also wichtig das die Häufigkeit der Anzeigen tief gehalten wird und auch zeitlich begrenzt wird. Es macht keinen Sinn, dass ich ein halbes Jahr nachdem ich mich mal für ein Notebook interessiert habe noch immer mit der Werbung verfolgt werde.

Wie überall geht es darum die richtige Balance zu finden.

Übersicht behalten

Sobald solche mehrstufigen Marketingaktivitäten gefahren werden ist es entscheidend die Übersicht zu behalten. Dies aus folgenden Gründen:

  • Kosten unter Kontrolle halten
  • Kunden nicht zu intensiv kontaktieren
  • Negativimage als Marktschreier
  • Falsche Angebote die gar nicht auf den Kunden passen

Retargeting ist also, richtig eingesetzt eine sehr gute Möglichkeit die Aktionsrate (Conversionrate) von Internet Nutzern zu erhöhen. Auch die Bekanntheit bei der gewünschten Kundengruppe kann dadurch gesteigert werden, das wir immer wieder in den Blickwinkel des Kunden treten und uns so bewusst oder unbewusst wahrgenommen werden. Eine klare Definition und Handhabung ist aber entscheidend um positiv bei den Kunden anzukommen.